Fuldaer Zeitung, 23.06.09
600 DLRG-Schwimmer retten um die Wette
FULDA Die Stimmung im Zieherser Sportbad hätte nicht besser sein können. Neben den 600 ehrenamtlichen DLRG-Mitgliedern waren einige Zuschauer und Eltern gekommen, um die Teilnehmer anzufeuern.
m Beckenrand standen Mannschaftsmitglieder, die die Rettungsschwimmer im Wasser lautstark zu Höchstleistungen anspornten, da es um die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften im Herbst ging.
Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) hat mehr als 900 000 ehrenamtliche Mitglieder und ist somit die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt, die es sich seit 1913 zur Aufgabe gemacht hat, Menschen vor dem Ertrinken zu retten.
Jedes Jahr engagieren sich viele Mitglieder an Urlaubsorten am Meer und an Seen, um das Baden sicherer zu gestalten. „Unsere Arbeit zahlt sich aus, denn in Deutschland sterben pro Jahr 500 Menschen durch Ertrinken, aber nur zwei bis fünf dort, wo die DLRG im Einsatz ist und die Badeorte überwacht“, berichtet Philipp Reuter, Landesjugendvorsitzender der DLRG Hessen.
Zu den Mannschaftswettkämpfen, waren 90 Teams aus ganz Hessen angereist, um sich in verschiedenen Disziplinen miteinander zu messen. In den an realen Situationen nachempfundenen Szenarien mussten die Rettungsschwimmer Schnelligkeit, Kondition und Geschicklichkeit beweisen. Im Kampf gegen die Zeit galt es, Hindernisse im Wasser zu untertauchen, Dummys vom Grund des Beckenbodens zu retten und wieder sicher an Land zu bringen.
Die Schwierigkeit stieg dabei mit dem Alter der Rettungsschwimmer. Eine der Königsdisziplinen war es, ein Gruppenmitglied, das die in Not geratene Person darstellt, am Gurtretter hinter sich her an Land zu schleppen. Damit die Disziplinen ordnungsgemäß und korrekt durchgeführt wurden, waren an jeder Bahn zwei Zeitrichter und jeweils ein Richter am Ende der Schwimmbahn positioniert. Diese überwachten genau, ob die Rettungsschwimmer den Kopf der abzuschleppenden Puppe weit genug über der Wasseroberfläche hielten und ihr nicht etwa den Mund verdeckten, was im Ernstfall drastische Auswirkungen hätte.
Vor allem kam es bei den Disziplinen auf die Zeit an, denn je schneller die Aufgabe erfüllt wird, desto mehr Punkte können die Teammitglieder für die Gruppe sammeln. Dass es bei dem Wettkampf aber nicht nur um das Erreichen der besten Plätze ging, sondern um Spaß und die Leidenschaft zum Sport bestätigte Reuter: „Hier machen wirklich alle mit, was man auch an der großen Teilnehmerzahl sehen kann. Während die Besten schon im Ziel angekommen sind, kämpfen die Schwächsten noch mit dem Wasser, was aber die Freude am Rettungsschwimmen zeigt und ihr Engagement.“
Zu „den Besten“ zählt auch die Europameisterin Maja Erbach, die sich für zwei Jahre als Sportsoldatin verpflichten ließ und zweimal pro Tag im Wasser trainiert, zusätzlich Krafttraining und Athletik betreibt, um ihre Leistungen noch weiter zu optimieren.
Geräte, Puppen und Flossen
Am Rettungsschwimmen schätzt die Kelkheimerin vor allem die Vielseitigkeit des Sports. „Man schwimmt nicht einfach seine Bahnen, sondern hat verschiedene Einsatzgeräte, beispielsweise die Schwimmflossen, den Gurtretter oder eben die Übungspuppen. Das Training ist abwechslungsreich und man muss Hindernisse im Wasser überwinden, um für den Einsatz im realen Leben gut vorbereitet zu sein.“
Hatte die Gruppe ihre Disziplinen im Wasser abgeleistet, ging es nach kurzer Pause zur Herz-Lungen-Wiederbelebung, die jedes Gruppenmitglied an einem Übungsphantom demonstrieren musste, um auch hier Punkte für die Gesamtleistung der Mannschaft zu ergattern. Bei dieser Disziplin waren ebenfalls zwei Richter an jeder Puppe im Einsatz, um Fehler bei Beatmung und Druckstößen festzuhalten, die abschließend mit den jeweiligen Rettungsschwimmern besprochen und analysiert wurden.
Die Meisterschaften in Fulda wurden dieses Jahr von einem breiten Rahmenprogramm unter dem Motto „Auf großer Kaperfahrt“ begleitet. So konnten diejenigen, die ihre Leistung am Wettkampftag schon erbracht hatten, sich in der angrenzenden Turnhalle und den Räumen bei Spielen oder kreativem Basteln über den Wettkampf austauschen oder in der Chill-Out-Lounge entspannen. Dass das Programm der DLRG-Jugend sehr gut ankam, sah man an den gefüllten Räumen und begeisterten Gesichtern der Rettungsschwimmer.
Vizepräsident Thorsten Reus war mit dem Ablauf und der Organisation rund um die Hessischen Meisterschaften im Sportbad Ziehers zufrieden: „Wir bekommen dieses Jahr sehr viele positive Rückmeldungen. Uns war es sehr wichtig, ein schönes Rahmenprogramm anzubieten und das Wir-Gefühl zu stärken.“
Von Verena Kaiser




