Borkener Zeitung, 22.06.09
Gold-Suche am Silbersee
Kräftemessen von DLRG-Rettungssportlern

Wer ist der oder die Schnellste, wenn die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft die besten Rettungsschwimmer sucht? Auch Fabienne Göller aus Rheda-Wiedenbrück (oben) tritt mit dem „Rescue Board“ an.
Haltern am See - Als das Startsignal ertönt, gibt es kein Halten mehr. Rund ein Dutzend Rettungsschwimmer spurten mit dem „Rescue Board“ unterm Arm über den Sandstrand, hechten ins Wasser und kämpfen sich durch die Brandung, als ginge es darum, einen Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Doch an diesem Tag geht es am Silbersee II in Haltern am See „nur“ darum, der oder die Schnellste zu sein: Gesucht werden die besten Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, der DLRG.
210 Athleten sind am Samstag dazu angereist, aus ganz Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz. Wenn es darauf ankommt, geben sie alles im 16 Grad kalten Wasser des Silbersees, in den Pausen zwischen den Durchgängen lümmeln sie sich im Sand oder in den provisorisch aufgebauten Zelten. Die 16-jährige Fabienne Göller hat sich in der Ecke ihres Zelts lang ausgestreckt, will Kraft tanken für den nächsten Lauf. Schon um sechs Uhr morgens sind sie und ihre Ortsgruppe in Rheda-Wiedenbrück losgefahren.
„Ich trete heute kürzer“, sagt die 16-Jährige, die sich für die „World Games“ im Juli in Taiwan schonen möchte und deswegen am Silbersee nicht in allen Disziplinen antritt. Fünf Einzel- und drei Mannschaftswertungen gibt es, Fabienne tritt davon nur bei den Staffeln und in den Einzeln mit dem „Rescue Board“ und dem Rettungsski an, das wie ein großes Kanu aussieht.
Seit sechs Jahren ist sie bei der DLRG. Damals hatte sie einfach nur nach einem neuen Sport gesucht, ihre Freundin nahm sie mit zu den Lebensrettern, und Fabienne fand die Vielfalt sofort klasse. Nicht nur eine Bahn nach der anderen kraulen, sondern auch im Freigewässer und in vielen unterschiedlichen Disziplinen antreten, das macht der Wiedenbrückerin bis heute Spaß. Dafür trainiert sie sechs Mal in der Woche.
Fabienne muss los, ein weiterer Vorlauf mit dem Rettungsbrett steht an: In einer Reihe stehen die jungen Frauen am Ufer, der kräftige Wind bläst Sandwolken und macht Gänsehaut. Fabienne taucht einen Fuß in den See und testet das 16 Grad kalte Wasser: „Eiskalt.“ Auf ein Zeichen hin sprinten die Schwimmerinnen in die Brandung, werfen sich ins Wasser und paddeln auf dem 600 Meter langen Kurs. Fabienne kommt gut weg. An der ersten Boje schaut sie sich um, merkt, sie ist an vierter Stelle. „Von da aus konnte ich das Rennen locker zu Ende bringen“, sagt sie hinterher, denn die ersten sechs kommen weiter. Sie zieht die Badekappe vom Kopf, streift den warmen Trainingsanzug über, versucht, fürs Finale zu regenerieren. „Klar ist es auch toll, wenn man weiß, dass man im Notfall ein Menschenleben retten kann“, sagt die 16-Jährige, „doch vor allem ist es für mich Sport.“
Für den Sieg reicht es für sie am Ende nicht, zufrieden ist sie trotzdem. „Ich war schließlich nur aus Spaß dabei.“ Und Spaß hats gemacht - auch ohne Gold am Silbersee.
VON SANDRA PETER, DRENSTEINFURT




