Neue Westfälische, 27.02.10
Heimspiel mit Medaillen
RETTUNGSSCHWIMMEN: Brockmeyer, Brinkmann und Hölscher glänzen bei DM

Startsprung: Dynamisch taucht Melanie Brockmeyer in der Flossendisziplin ins Wasser ein, das Ziel erreicht die 29-jährige Harsewinkelerin in ihrer Altersklasse 30 als zufriedene Zweitplatzierte. FOTO: HENRIK MARTINSCHLEDDE
VON CARSTEN BIERMANN
Harsewinkel. Am Becken herrscht Andrang wie im Freibad an einem Sommertag. Nur Bademeister, die braucht es nicht. Ausnahmslos Rettungsschwimmer vergnügen sich im Harsewinkeler Hallenbad, schleppen Puppen durchs Wasser oder tauchen unter einem Hindernis hindurch. Und das möglichst schnell, schließlich gibt es bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften Medaillen zu gewinnen.
Eine Trophäe sicher hat Olaf Thümmler schon vor seinem ersten Start. Der mit 80 Jahren älteste Teilnehmer trifft in seiner Altersklasse 80 nur auf einen Mitstreiter. „Schade, dass es sich so ausdünnt“, sagt der Schwabe aus Bietigheim-Bissingen. Selber verschwendet er noch keinen Gedanken ans Aufhören. Vier Mal springt er pro Woche in den Pool, nur freitags nicht: „Da spiele ich Fußball.“ Auch eine andere Tatsache beeindruckt. Keine der insgesamt 22 nationalen Titelkämpfe hat Thümmler ausgelassen. Nach 14 Goldmedaillen kommt in Harsewinkel Silber hinzu.
Im Vergleich zum sportlichen Senior geht Melanie Brockmeyer als Jugendliche durch. Aber ihre 29 Jahre reichen aus, um an Seniorenwettkämpfen teilzunehmen. Für die Aktive vom Veranstalter DLRG Harsewinkel ist diese DM etwas Besonderes, gehört sie doch seit einem Jahr zum Organisationsteam. „Ganz schön anstrengend“, bekundet die Lokalmatadorin. So lautet auch ihr Kommentar nach dem ersten Wettbewerb, dem 100 Meter Hindernisschwimmen. Nur Anke Fabri (Schwerte) schlägt in der Altersklasse 30 vor ihr an, Platz zwei stellt sie „sehr zufrieden“. Schließlich ist Brockmeyer, im Freigewässer 2006 Deutsche Meisterin, nach einer Babypause erst im Januar ins Training eingestiegen. Die Qualifikationszeit stempelt sie zwar zur Favoritin, doch „so schnell bin ich im Augenblick nicht“.
Die Stunde Wartezeit vor der zweiten Disziplin, dem 50 Meter Retten einer Puppe („Nicht so mein Ding“), überbrückt Brockmeyer mit angeregtem Smalltalk. Überall sitzen Grüppchen zusammen, die Stimmung gleicht einem Kneipenabend. „Es macht Spaß, die Leute aus anderen Ortsgruppen zu treffen“, erklärt Brockmeyer das „besondere Gemeinschaftsgefühl“ im Rettungssport. Eine richtige Konkurrenz gebe es nicht, daher gönnt sie Fabri neidlos die Goldmedaille. Sie selber nimmt nach der dritten Übung, dem 100 Meter Retten mit Flossen, freudestrahlend Silber in Empfang.
Ebenfalls mit Medaillen krönen zwei weitere heimische Schwimmer den Freitag: Oliver Brinkmann (DLRG Gütersloh) gewinnt in der Ak 35 „nicht vorhersehbar“ Bronze, Jürgen Hölscher (Rheda-Wiedenbrück) in der Ak 40 Silber. Am heutigen Samstag hoffen beide auf weiteres Edelmetall mit den Staffeln.




