Westfalen Blatt, 24.02.10
Mit »Baywatch«-Gurten ins Becken

Johannes Dobrzanski, Oliver Brinkmann und André Westermann (von li.) haben sich nochmal zu einem Testtraining getroffen.
Von Viola Dietrich (Text und Foto)
Gütersloh (WB). Favoritensieg vor der Haustür? Wenn am Samstag bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften der Rettungsschwimmer in Harsewinkel der Startschuss für die Männerstaffeln der Altersklasse 120 fällt, ist das Gütersloher DLRG-Team Anwärter Nummer eins auf das oberste Treppchen.
André Westermann, Martin Zinram, Johannes Dobrzanski, Oliver Brinkmann und Jochen Pape - das sind die Namen, die man auf dem Zettel haben sollte. Schließlich ist der Deutsche Meistertitel nichts unbekanntes für das Quintett. Mehrfach wurden in den vergangenen Jahren Titel abgeräumt. »Wenn wir top schwimmen, dann wird es für jeden schwer, uns zu schlagen«, sagt Trainer und Mitschwimmer Oliver Brinkmann selbstbewusst. Über Jahre ist das Team der DLRG Gütersloh in der aktuellen Besetzung so zusammengewachsen und gerade bei der Deutschen Meisterschaft quasi vor der Haustür soll es keine böse Überraschung für die Titelaspiranten geben. »Klar ist das etwas Besonderes, dass die Meisterschaften in Harsewinkel stattfinden. Da ist die Motivation besonders groß und wir hoffen natürlich auf viel Unterstützung von unseren Familien und Freunden«, so der 39-Jährige, der nur wenig Konkurrenz-Mannschaften für sein Team sieht. »Wir müssen schnell schwimmen, aber auch diszipliniert. Es ist der größte Ärger, wenn man Strafpunkte sammelt und sich somit selbst schlägt.«
Drei- bis fünfmal pro Woche trainiert die Mannschaft. Zwar schaffen es nicht immer alle, aber wenn, dann werden die technischen Feinheiten des Rettungsschwimmen geübt. »Der Sport ist sehr anspruchsvoll. Man muss sich sehr konzentrieren«, sagt Brinkmann.
Johannes Dobrzanski ergänzt: »Das Rettungsschwimmen wird oft unterschätzt. Für uns ist es schön, dass die Deutschen Meisterschaften in Harsewinkel sind, denn dann bekommen wir mal etwas Werbung für unseren Sport. Der ist vielen noch unbekannt.« Dabei unterscheide sich das DLRG-Schwimmen in einigen Zügen wesentlich vom eigentlich ursprünglichen Retten aus Seenot. »Wie in anderen Sportarten gibt es ein festes Regelwerk, was man darf und was man nicht darf«, erklärt Dobrzanski, der mehr oder weniger direkt aus dem Skiurlaub nach Harsewinkel fährt. Viermal muss die Mannschaft dort am Samstag bei den Deutschen Meisterschaften antreten. Es warten die Wettbewerbe 4x50m Hindernis (unter einem 70 Zentimeter tiefen Hindernis hertauchen), 4x50m-Rettungsstaffel (mit Puppe und Flossen), 4x50m-Gurtretterstaffel und das 4x25m Puppe schleppen. Gerade bei der Gurtretterstaffel zieht Oliver Brinkmann grinsend den Vergleich zur berühmten Fernsehserie »Baywatch«. »Die haben da auch solche orangen Gurte wie wir.« Doch statt wie David Hasselhoff am Strand von Malibu nur gut auszusehen, geht es dem Gütersloher Quintett um mehr. »Unser Hauptziel in diesem Jahr ist die Weltmeisterschaft in Ägypten im Oktober. Auch da sind wir mit einer Gütersloher Mannschaft vertreten«, sagt der Trainer, der sowieso meint, »dass wir fast schon zu leistungsmäßig für die Deutschen Seniorenmeisterschaften sind«.
Schließlich startet das Team sonst eher bei offenen Wettkämpfen, in denen es keine Altersbeschränkungen gibt. »Bei den Seniorenmeisterschaften steht eindeutig der Spaß im Vordergrund, und das ist auch gut so. Da werden die Schwimmer der AK 75 mit Standing Ovations ins Ziel getragen«, schwärmt Brinkmann, der übrigens auch im Einzelwettbewerb der AK 35 an den Start geht. Dort rechnet er sich - obwohl an Position drei gesetzt - nur wenig Chancen auf das Treppchen aus. »Ich habe den Nachteil, dass ich 39 bin und somit am Ende der Altersklasse. In diesem Jahr sind drei richtig gute Schwimmer aus der jüngeren Altersklasse hoch gekommen. Ich rechne mit Platz vier und der wäre auch vollkommen okay.«




