WAZ, 01.09.10
Rettungsschwimmer starten bei der DLRG-Trophy
Auf nach Berlin

Wollen nach Berlin: Patrick Höhnerhaus,Sebastian Ratschmeier, Anna Bieber, Markus Daldrup, Lisa Eßmann, Bennedikt Wintz, Jana Schemmer, Kim Schäpers, Sebastian Thiebaut ( DLRG Haltern) Foto: Gerhard Schypulla

Für die DLRG Trophy–Serie vorne : Patrick Höhnerhaus mit Kim Schäpers. Foto: Gerhard Schypulla
Haltern am See. Es ist ein bizarres Bild. Das Strandbad ist wie leer gefegt, alles ist Grau in Grau, es regnet Bindfäden, die Luft hat 20 Grad, gefühlte 15, das Wasser 17, maximal 18 Grad. Zehn Schwimmer fegen über den Strand.
Sie sprinten ins Wasser, kämpfen sich im Delfin durch die grauen Fluten bis zur roten Bojenkette, Wende, jagen zurück. „Und das Ganz noch einmal“, ruft Lucia Impekoven. Diesmal fürs Foto. Aber den Schwimmern ist jede Übungseinheit willkommen.
Alle sind seit vier und mehr Jahren Mitglied der DLRG Ortsgruppe Haltern und schieben im Sommer ehrenamtlich Wachdienst am Silbersee II und am Strandbad. Seit einem Jahr treffen sich die zehn Rettungsschwimmer zum Extra-Training.
Den Anstoß gab die DLRG-Trophy im vergangenen Sommer am Silbersee II. „Schaut euch das an“, hat Trainerin Lucia Impekoven dem Team geraten. „Wenn Ihr euch dafür entscheidet, bedeutet das einiges mehr an Training.“ Noch am gleichen Abend fiel die Entscheidung. „Wir sind dabei.“ Laufen, Fitness-Studio und natürlich Schwimmen. Seit drei Wochen trainieren sie jeden Abend im Strandbad. An diesem Wochenende will sich die neue Halterner Trophy-Truppe zum ersten Mal in fremden Gewässern mit der Konkurrenz messen.
Schwieriger Wettkampf
„Berlin wird hart“, ahnt die Trainerin, die als „Fachangestellte für das Bäderwesen“ bei den Stadtwerken Haltern arbeitet und als Schwimmmeisterin Dienst im „Aquarell“ tut. Mannschaften aus den Niederlanden, der Schweiz, Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft treten bei der DLRG-Trophy am Wannsee an. „Aber die Jungs und Mädchen wollten das ja“, sagt sie. Dafür zahlen diese sogar einen Teil der Kosten für Fahrt, Verpflegung und Übernachtung (auf dem Zeltplatz) aus eigener Tasche.
Nach dem Startsignal schwimmt Patrick Höhnerhaus zur Bojenkette. Dort angekommen, startet Kim Schäpers vom Ufer aus mit dem Rettungsbrett und nimmt ihren Team-Kollegen auf. Beide paddeln auf dem Brett zurück ins Ziel, kritisch beäugt von der Trainerin, die Tipps zur Körperhaltung und für mehr Schnelligkeit gibt. Das quietschgelbe Board hat die DLRG Ortsgruppe Haltern kürzlich gekauft. Ansonsten sieht es mit dem Equipment dürftig aus. Befreundete DLRG-Ortsgruppen, „ein netter Kollege“ (Impekoven) haben Trainingsmaterial zur Verfügung gestellt.
Die Rettungsschwimmer braucht man nicht nach Zweifeln am Nutzen ihres Sports zu fragen. „Weil es Spaß macht“, sagt Sebastian Ratschmeier. „Weil ich auf Grün und Pink stehe“, betont Sebastian Thiebaut, den die Trainerin „Dachlättchen“ nennt, in Anspielung auf die zweifarbigen Badekappen, die im Wettkampf getragen werden müssen.
Dass sie im Ernstfall Leben retten können, erwähnt übrigens keiner.
DLRG-Trophy - Am Berliner Wannsee
Das Trophy-Team der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Ortsgruppe Haltern stellen Patrick Höhnerhaus, Anna Bieber, Markus Daldrup, Lisa Eßmann, Benedikt Wintz, Jana Schemmer, Kim Schäpers, Sebastian Thiebaut, Kevin Bötscher und Inga Schmidt. Als Ersatzmann fungiert Sebastian Ratschmeier aus Recklinghausen. Das jüngste Mitglied ist 15 Jahre, das älteste 20 Jahre alt. Als Betreuer fahren Trainerin Lucia Impekoven sowie Sebastian Bußmann, Silvia Rode und Matthias Albers mit nach Berlin.




