Neue Westfälische, 06.10.08
Wo Rettungsschwimmer Kraft schöpfen
Deutsche Meisterschaften in Paderborn: Ohne ehrenamtliche Helfer geht nichts / Bewährter Austragungsort

Leben retten macht hungrig: Bastian Mosters (Alpen) und Claudia Gillhoff (Schwerte) füllen zwei Aktiven im Sportzentrum Maspernplatz den Teller mit reichlich Nudeln auf.
VON ANDREAS GÖTTE
Paderborn. Ein ziemliches Gewusel herrscht in der Schwimmoper. Trainer geben Anweisungen. Die Athleten kämpfen im Wasser mit der Rettungspuppe. Drei Kampfrichter achten vom Beckenrand auf den richtigen technischen Ablauf - bei den Deutschen Meisterschaften im Rettungsschwimmen ist es keinen Moment langweilig.
"Bei uns geht immer der rettungstechnische Aspekt vor dem sportlichen", erklärt Alexander Holletzek, technischer Leiter des Wasserrettungsdienstes bei der Paderborner Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Auch wenn es schnell gehen muss, der Kopf der Puppe darf nicht unter Wasserkommen, sonst verhängen die Kampfrichter Strafpunkte.
Auf zwei Tage verteilt zeigen rund 1.700 Rettungsschwimmer bei den Deutschen Meisterschaften ihr ganzes Können, wollen ihre optimale Leistung abrufen. Auf nationaler Ebene sind ausschließlich Amateure am Start. Profis gibt es in Australien.
Rund 150 Helfer der heimischen DLRG sind im Einsatz, um die große Aufgabe zu stemmen. Und die sind die vier Tage ziemlich im Stress. So muss ein Team aus 30 Helfern die rund 80 Kilogramm schwere und mit Wasser gefüllte Puppe wieder zum Ausgangspunkt durchs Wasser schleppen, damit der nächste Teilnehmer starten kann. "Tragen geht nicht, dann verliert die Puppe Wasser", so Holletzek. So müssen die ehrenamtlichen Helfer bis zu 150 Mal das 50 Meter lange Becken durchqueren.
In den Wettkampfpausen geht es zur Stärkung ins Sportzentrum Masernplatz. Mensa statt Erstliga-Basketball ist hier angesagt. Das Essen - wahlweise normale Kost oder vegetarisch - liefert ein Partyservice aus Bad Lippspringe. Für den Rest müssen die DLRGler sorgen. Hinter der Halle stapeln sich die Geschirrkisten, kümmert sich ein Spüldienst darum, dass aus dreckigen Tellern wieder saubere werden. Zunächst werden die Essensreste grob mit dem Schlauch weggespült, dann geht es in die Maschine. "Wir sind hier heute so etwas wie das Servicepersonal", sagt Lebensretter Frank Meyer aus Bad Lippspringe, und transportiert ein paar Geschirrkästen zur Spüle.
An der Essensausgabe im Sportzentrum stehen Bastian Mosters aus dem niederrheinischen Alpen und Claudia Gillhoff aus Schwerte. Beide haben eine Schürze umgebunden, tragen Handschuhe und eine Kochmütze auf dem Kopf. Mosters schwimmt bei den Titelkämpfen nicht mit und wurde deshalb für die Essensausgabe eingeteilt.
"Ich bin zum ersten Mal in Paderborn. Die Aufteilung der Ordner ist gut organisiert. Ich kann nicht meckern", sagt er, bevor er einem jungen Lebensretter den Teller vollmacht.
Wesentlich ruhiger geht es in der Kreissporthalle zu. Das muss es auch. Denn bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) ist höchste Konzentration erforderlich. Mittels Herzkompressionen und zwei Beatmungen im Wechsel müssen der Puppe Leben eingehaucht werden. Das Beatmungsvolumen muss passen. Bei der Herz-Druckmassage kommt es auf richtige Tiefe an.
Einen Wermutstrophen gab es aber auch. Bei der abschließenden Party der Lebensretter mussten offenbar vier Jugendliche wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden.




