04.01.04 - 10:55 Die Form - bin ich fit?
"Heute war ich nicht in Form..." – "Wenn ich erst wieder in Form bin..." – "Meine Form ist ansteigend..." – "Wenn mein Formtief doch nur erst vorbei wäre..." – "Ich befinde mich in der Form meines Lebens..." – so oder ähnlich hört es sich an, wenn Sportler über ihre sportliche Entwicklung oder auch "Nichtentwicklung" diskutieren. Doch was ist die Form? Spiegelt ein gutes Wettkampfergebnis unsere Form wider oder ist die erreichte Zeit vielleicht doch mehr das Ergebnis einer optimalen Tagesform? Natürlich ist eine neue persönliche Bestzeit immer das Ergebnis einer guten Form. Aber wie gut ist sie tatsächlich – die momentane Form? War die gute Zeit wirklich das maximal Mögliche oder könnten noch weitere Zeitverbesserungen möglich sein – vielleicht über kürzere Distanzen?
Und wenn es schlecht gelaufen ist – woran lag es dann? War es wieder die "Form", oder doch die unzureichende Regeneration vom Wettkampf am vergangenen Wochenende? Oder bin ich übertrainiert? Ist das vielleicht der Grund für die schlechte Zeit? Oder war das Meer doch zu wellig? Ist es sinnvoll, es in zwei Wochen noch einmal zu versuchen, in der Hoffnung, dann endlich wieder ein besseres Ergebnis zu erzielen? Oder reicht die momentane "Form" nur für einen Aufbauwettkampf ohne Bestzeitambitionen? Fragen, Fragen, Fragen...
Welche Möglichkeiten zur Formüberprüfung gibt es?
1. Labor-Leistungstests (Conconi u. a.) Diese Tests sind meist mit einem relativ hohen finanziellen, organisatorischen und zeitlichen Aufwand verbunden. Zudem sind die Ergebnisse sehr von der Tagesform beeinflusst. Nur wenn diese Tests unter exakt gleichen Bedingungen mehrmals wiederholt werden, kann eine Aussage über die tatsächliche Form und deren Entwicklung getroffen werden. Das Ergebnis aller getesteten Parameter hängt sehr stark vom aktuellen Erholungsgrad des Organismus und der Muskulatur ab. Der gleiche Test unter nur leicht unterschiedlichen Erholungsbedingungen durchgeführt, kann daher zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen. Ein weiterer Nachteil dieser Tests ist der Umstand, dass die Sportler in den Bereich ihrer maximalen Leistungsfähigkeit gebracht werden. Deshalb bedeuten diese Leistungstests eine sehr hohe psychische und physische Belastung. Sie sind also nicht problemlos in jede Trainingsphase integrierbar.
2. Formbeurteilung anhand von Wettkampfergebnissen Wettkämpfe stellen immer eine hohe physische und psychische Belastung dar. Aus diesem Grund werden sie nur relativ selten gelaufen und sind daher zur permanenten Formbestimmung nur bedingt geeignet. Zudem ist die Beurteilung von Wettkampfergebnissen recht schwierig. Wie oben bereits beschrieben spielen viele Faktoren eine Rolle, wenn ein Wettkampfergebnis beurteilt werden muss. Im ersten Abschnitt wurde bereits kurz darauf eingegangen. War die Zeit sehr gut, scheint auch die Form sehr gut gewesen zu sein. Doch wer weiß, vielleicht hätte das Wettkampfergebnis bei optimaleren Bedingungen sogar noch besser ausfallen können? War sie dagegen weniger gut, können neben einer nicht ausreichenden Form viele andere Umstände ein besseres Ergebnis verhindert haben. Die Streckenbeschaffenheit, der Rennverlauf, das Wetter, der Erholungszustand, die Motivation, die Konkurrenzsituation – alles Faktoren die einen Rennverlauf beeinflussen. Aus einem Wettkampfergebnis auf die tatsächliche Form oder gar die Formentwicklung schließen zu wollen, ist deshalb recht problematisch.
Welchen Aussagewert haben Trainingsergebnisse?
Viele Sportler versuchen eine Formbestimmung anhand von Trainingsergebnissen. Der entscheidende Nachteil dieser Art der Formkontrolle ist jedoch die fehlende Objektivität. Ob man die "100m" nun in 1:10 oder 1:12 Stunden zurücklegt, ist schließlich sehr stark motivationsabhängig. Wer sich selbst eine gute Form attestieren möchte, schwimmt eben etwas flotter. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt in der problemlosen Durchführbarkeit. Der Nachteil ist – wie schon erläutert – die fehlende Objektivität. Insgesamt betrachtet scheint die Beurteilung der Trainingsergebnisse dennoch die praktikabelste Möglichkeit zu sein, die Entwicklung der sportlichen Form fortlaufend zu beurteilen.
Eine zuverlässige Aussage über die Form
Die Kernfrage lautet: Wie lange benötige ich für eine bestimmte Distanz bei einer definierten Belastung, die wir anhand der Pulsfrequenz ablesen können?
Um eine Aussage über die momentane Form treffen zu können, benötigt man sowohl eine definierte "äußere Belastung" als auch eine definierte "innere Belastung". Die "äußere Belastung" wird hauptsächlich bestimmt durch die Streckenlänge, das Streckenprofil, die Streckenbeschaffenheit und die Witterungsverhältnisse. Der Begriff "innere Belastung" ist sehr gut mit "Anstrengung" zu übersetzen. Je größer die Anstrengung, desto höher die innere Belastung. Ein Wettkampf bedeutet also eine sehr viel höhere "innere Belastung" als ein lockerer Trainingslauf.
Nun gilt es, diese beiden Belastungsarten zueinander ins Verhältnis zu setzen. Um die sportliche Form beurteilen zu können, benötigen also eine Aussage darüber, in welcher Zeit eine bestimmte Strecke mit welcher Pulsfrequenz zurückgelegt werden kann.
Pulsfrequenz und "innere Belastung" (Anstrengung) stehen immer in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Je größer die Anstrengung, desto höher die Pulsfrequenz – und umgekehrt. Daraus können nun folgende Schlussfolgerungen gezogen werden:
Je niedriger der Puls bei gleicher Zeit und Strecke, desto besser die Form. Je höher der Puls bei gleicher Zeit, desto schlechter die Form. Je besser die Zeit bei gleicher Pulsfrequenz, desto besser die Form. Je schlechter die Zeit bei gleicher Pulsfrequenz, desto schlechter die Form. Wie könnte ein Training zur Formkontrolle nun aussehen? Prinzipiell kann jedes normale Training zur Formkontrolle genutzt werden. Dabei spielt die Länge der Strecke nur eine untergeordnete Rolle. Auch die topografische Beschaffenheit ist ohne Bedeutung, da sie keinen Veränderungen unterliegt.
Der Formtest im Training
So wird der Formtest im Training durchgeführt: An einem Pulsmessgerät mit einstellbarer Ober- und Untergrenze werden ein oberer und ein unterer Grenzwert mit einer Differenz von fünf Schlägen eingestellt. Dieser Frequenzbereich sollte im Bereich zwischen 75 und 80 % Ihrer maximalen Pulsfrequenz liegen. Nun wird die gewählte Trainingsstrecke exakt innerhalb dieses Bereiches geschwommen. Hierbei muss ein Über- oder Unterschreiten der eingestellten Grenzwerte unbedingt vermieden werden. An der benötigten Endzeit können Sie sehr gut ablesen, in welcher Form Sie sich gerade befinden und wie sich diese im Vergleich zu vorherigen Tests entwickelt.
Für die Formkontrollstrecken sollten solche Trainingsstrecken ausgewählt werden, die Sie im Training häufiger schwimmen. Je mehr Vergleichswerte Sie haben, desto besser kann die Entwicklung beobachtet werden. Es ist immer wieder erstaunlich, wie groß die Zeitdifferenzen bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen und unterschiedlicher Tagesform, aber gleicher Pulsfrequenz, sein können. Werden diese Ergebnisse nun regelmäßig in ein Koordinatensystem eingetragen, kann die Formentwicklung exakt abgelesen werden. Leider hat das beschriebene Verfahren zur Formkontrolle einen gravierenden Nachteil. Es verlangt die strikte Einhaltung eines bestimmten Frequenzbereiches, so dass diese Trainings zwangsläufig sehr "technisch" sein werden.
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